Ein offener Brief
Nächstenliebe
Liebe Freunde und Bekannte,
vor dem Haupteingang des Hauses, in dem sich auch mein Atelier befindet, ist ein U-Bahnschacht, auf dem fast jede Nacht ein paar Obdachlose ihre Nacht verbringen. Seit einiger Zeit sehe ich mir das an und denke mir, vor allem in den kälteren Tagen: Was kann ich tun?
Einfach mal rübergehen und fragen, wie es geht. Gar nicht so einfach. Schon komisch, denke ich mir, wie gehemmt ich mich bei einer so einfachen Sache anstelle. Da ist die Scham, aus einem warmen Gebäude zu treten, es offensichtlich nicht so schwer zu haben – und dann eine Mischung aus Scheu und Vorsicht, die Privatsphäre nicht zu verletzen.
Nach etwas Recherche und im Austausch mit einem erfahrenen Freund bin ich auf ein schönes, altes und gar nicht unbekanntes Konzept gestoßen: Nächstenliebe. Wenn jeder sich in seiner Umgebung mit Fürsorge engagieren würde, würde das unserer ganzen Welt helfen.
Ich bin dann hinübergegangen und habe gefragt, ob ich störe und ob die Herren etwas brauchen könnten. Die Antwort kam prompt: „Danke, Sie stören nicht besonders, es geht uns gut und die Polizei schaut glücklicherweise jeden Tag nach dem Rechten.“ Mit dieser Antwort hatte ich nicht gerechnet. Soll ich meine Hilfe aufdrängen? Natürlich nicht.
Am Ende sind drei Dinge daraus geworden: eine Geldspende an die Münchener Tafel, eine Sachspende im Spendenladen von Condrobs in der Emanuelstraße – die kenne ich noch aus meiner Zivildienstzeit – und ein persönliches zeitliches Engagement über die Freiwilligenagentur Tatendrang.
In diesem Sinne freue ich mich, wenn Sie es mir nachtun.
Herzlich,
Maximilian Hemmerle