Eine Anfertigung, erzählt
Der Wirbel
Ein Wunsch nach Blau. Ein Paar Saphire, das erst gefunden werden musste. Und die Frage, was aus ihnen werden soll.

Johanna und Martin kamen mit einem Wunsch zu mir, nicht mit einem Stein: Ohrschmuck in Blau, etwas, das man nicht an jeder Hand und an jedem Ohr sieht. Wir haben lange gesprochen, bevor ich die erste Linie gezeichnet habe. Johanna trägt gern Ohrschmuck, aber nichts Stilles. Martin sagte einen Satz, der hängen blieb: „Die Steine sollen sich bewegen dürfen."
Dann begann die Suche. Ein Paar ist schwerer zu finden als ein einzelner Stein: Zwei Saphire, die in Farbe, Schliff und Größe zueinander gehören, gibt es nicht im Katalog. Über mein Netzwerk, das in zwanzig Jahren gewachsen ist, fand ich dieses Paar – ovale Saphire, royalblau, zusammen rund vierzehn Karat, aufeinander abgestimmt, wie man es selten findet. Johanna und Martin sahen die Steine, bevor irgendetwas entworfen war, und entschieden.

Der Entwurf
Aus mehreren Richtungen wurde diese: ein Wirbel. Gewundene Arme aus gebläutem Metall legen sich um den Stein, ein Teil davon mit Saphir-Pavé besetzt, links und rechts spiegelbildlich, als drehte sich das Paar umeinander. Der Stein sitzt in einer geschlossenen Zargenfassung und bleibt doch das Zentrum von allem.
Gebaut wurden die beiden als Clips mit zusätzlichem Stift, denn bei diesem Gewicht trägt sich das den ganzen Abend, ohne zu ziehen.
Die Werkstatt
Zwischen Entwurf und Stück lagen Wochen, in denen wenig glamourös war. Die Steine wurden auf den hundertstel Millimeter vermessen, die Fassung um sie herum konstruiert, nicht umgekehrt. Die Arme des Wirbels entstanden von Hand am Modell, wurden gegossen, versäubert, mit Pavé gefasst. Die Bläuung kam zum Schluss, nach dem Fassen. Sie ist der Moment, in dem das Stück seine Tiefe bekommt.
Johanna und Martin haben jeden Zwischenstand gesehen. Nichts ging in den nächsten Schritt, das die beiden nicht gesehen hatten. Die Clips sind fertig und übergeben.

Was diese Geschichte erzählt
So arbeite ich. Es beginnt mit einem Gespräch, manchmal nur mit einem Wunsch. Den Stein finde ich. Was am Ende entsteht, gibt es genau einmal.
Die Namen sind geändert. Die Steine, der Entwurf und der Weg sind echt.