Eine Anfertigung, erzählt
Der Wirbel
Zwei Saphire, die seit Jahren in einer Schublade lagen. Und die Frage, was aus ihnen werden soll.

Johanna und Martin kamen mit einer kleinen Dose zu mir. Darin: ein Paar ovale Saphire, royalblau, zusammen rund vierzehn Karat, aufeinander abgestimmt, wie man es selten findet. Die Steine gehörten der Familie. Getragen worden waren sie nie.
Das ist eine besondere Ausgangslage, und eine heikle. Wer eigene Steine mitbringt, bringt eine Geschichte mit, an der man nichts kaputt machen darf. Wir haben lange gesprochen, bevor ich die erste Linie gezeichnet habe. Johanna trägt gern Ohrschmuck, aber nichts Stilles. Martin sagte einen Satz, der hängen blieb: „Die Steine sollen sich bewegen dürfen."

Der Entwurf
Aus mehreren Richtungen wurde diese: ein Wirbel. Gewundene Arme aus gebläutem Metall legen sich um den Stein, ein Teil davon mit Saphir-Pavé besetzt, links und rechts spiegelbildlich, als drehte sich das Paar umeinander. Der Stein sitzt in einer geschlossenen Zargenfassung und bleibt doch das Zentrum von allem.
Gebaut werden die beiden als Clips mit zusätzlichem Stift, denn bei diesem Gewicht trägt sich das den ganzen Abend, ohne zu ziehen.
Die Werkstatt
Zwischen Entwurf und Stück liegen Wochen, in denen wenig glamourös ist. Die Steine werden auf den hundertstel Millimeter vermessen, die Fassung wird um sie herum konstruiert, nicht umgekehrt. Die Arme des Wirbels entstehen von Hand am Modell, werden gegossen, versäubert, mit Pavé gefasst. Die Bläuung kommt zum Schluss, nach dem Fassen. Sie ist der Moment, in dem das Stück seine Tiefe bekommt.
Johanna und Martin sehen jeden Zwischenstand. Nichts geht in den nächsten Schritt, das die beiden nicht gesehen haben.

Was diese Geschichte erzählt
So arbeite ich. Es beginnt mit einem Gespräch, manchmal mit einer Dose, die jemand mitbringt. Was am Ende entsteht, gibt es genau einmal.
Die Namen sind geändert. Die Steine, der Entwurf und der Weg sind echt.